Ausgerutscht

Skandal um Ilmar Reepalu

Malmö Ausgerutscht ist auch der sozialdemokratische Bürgermeister von Malmö, Ilmar Reepalu.

Am 25. Januar erschien in der Zeitung Skånska Dagbladet ein Bericht über eine jüdische Familie aus Malmö, die sich entschlossen hat, die Stadt zu verlassen und nach Israel auszuwandern. Als einen Grund dafür benennt Markus Eilenberg wachsenden Antisemitismus in Malmö, der seiner Ansicht nach unter anderem durch Äußerungen Reepalus im letzten Frühjahr angeheizt wird.

Im letzten Frühjahr fand in Malmö das Tennismatch im Davis Cup Schweden gegen Israel statt. Dagegen fanden lautstarke und teilweise gewalttätige Proteste statt, die dazu führten, dass die Spiele vor leeren Rängen stattfinden mussten.

Vor dem Hintergrund des Gazakrieges hatte es bereits im Januar 2009 teilweise gewaltsame Proteste von mehrheitlich arabischen und linken Israelgegnern gegeben, bei denen unter anderem Flaschen und Silvesterraketen auf eine kleine pro-israelische Kundgebung in Malmö geworfen bzw. geschossen wurden. Nach dieser Kundgebung, die von der Polizei auf Grund der Eskalation der Situation beendet worden war, fand eine regelrechte Hetzjagd auf Teilnehmer dieser Kundgebung durch die Straßen der Stadt statt. Unter den Teilnehmern hatten sich auch etliche Überlebende des Holocausts befunden. Glücklicherweise kam es nicht zuletzt auf Grund der Besonnenheit der etwa 200 Demonstranten zu keinen weiteren Übergriffen.

Reepalu hatte sich in diesem Zusammenhang unzweideutig auf die antiisraelische Seite gestellt und indirekt die gewaltsamen Aufläufe gerechtfertigt.

Nun hatte die Zeitung Skånska Dagbladet aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar ein Interview mit Ilmar Reepalu veröffentlicht, in dem der seine antiisraelischen und antisemitischen Äußerungen wiederholte. Im Zusammenhang mit dem Gazakrieg meinte er unter anderem, dass Israel eine Eiterbeule geschaffen hätte. Auch wenn er in diesem Interview öffentlich erklärt, dass Kinder mit jüdischem Hintergrund nicht trakassiert werden dürften, wirft er dennoch Antisemitismus und Zionismus in einen Topf und sagt wörtlich: “Wir akzeptieren weder Zionismus noch Antisemitismus.”

Darauf reagierte Björn Goldmann in einem Artikel im Online-Magazin Newsmill. Unter der Überschrift “Welche Zukunft hat meine Familie in Malmö, Ilmar?” stellt er Ilmar Reepalu zur Rede.

Die Malmöer Debatte hat mittlerweile ein landesweites Echo gefunden und wird vielerorts diskutiert. Die offizielle Politik in Stockholm allerdings hüllt sich in Schweigen. Weder die Chefin der Sozialdemokraten, Mona Sahlin, noch die Regierungsparteien melden sich in diesem Skandal, der die Öresundregion derzeit erschüttert, zu Wort. Lediglich der moderate Europaparlamentarier Gunnar Hökmark hat Reepalu aufgefordert, sich mindestens zu entschuldigen. Und die als rechtsnational geltenden Sverigedemokraterna ergreifen Position – für Malmös jüdische Bevölkerung. Im Facebook haben sich mittlerweile Gruppen gebildet, die Reepalus Rücktritt fordern.

Reepalu hat inzwischen ein wenig eingelenkt, indem er sagte, er würde ein Dialogforum initiieren wollen.

Eine Antwort zu „Ausgerutscht“

  1. Mona Sahlin im Gespräch mit der Jüdischen Gemeinde « ÖRESUND-KURIER sagt:

    [...] In diesem Zusammenhang hatte sich auch Ilmar Reepalu deutlich gegen Israel ausgesprochen. In einem am Holocaustgedenktag 2010 in der Tageszeitung Skånska Dagbladet veröffentlichten Intervi… [...]

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